2009: Reizvolle und strittige Duelle

76 Teilnehmer beim Detmolder Bridge-Turnier {Bericht der Lippischen Landeszeitung}

Klaus Kersting (Bild) gewinnt das Turnier mit Andreas Bollhorst.2010 kneipe kersting

Detmold. Die Boards sind fertig und die Karten bereits gemischt. Nun müssen die 38 Paare, die am Samstag zum fünften  Detmolder Kneipenturnier erschienen sind, nur noch ein gutes Händchen und das passende Pokerface mitbringen. „Bridge ist die Königin der Kartenspiele“ ,findet Professor Dietmar Winkler vom Bridgeclub Detmold. Im Vereinshaus „Ressource“ in der Allee herrscht hektisches Treiben. Drei Mal die Woche pflegen die rund 84 Mitglieder des Clubs von 1949 hier ihre Kartenleidenschaft. An diesem sonnigen Samstag wechselt die Kulisse im 20-Minuten-Takt durch die Innenstadt. Erwartungsfreudig begrüßt Schriftführerin Brigitte Külls die Spieler. Turnierleiter Klaus Kersting verteilt Listen, in die die Teilnehmer ihre Ergebnisse eintragen werden. „Bridge ist so was von faszinierend“, meint Brigitte Külls. Sie bekennt sich als „absolute Kartenspielerin“, spielt Skat, Doppelkopf, Rommé. Aber mit Bridge könnten all diese Spiele nicht mithalten. Dann begleitet sie Niko Forchert und Professor Dietmar Winkler – zwei gelassene Bridge-Spieler – zur ersten Station. Ein Tisch im gemütlichen Café „Pompano“ in der Krummen Straße ist bereits reserviert. Doris und Hartmut Diekmann aus Fulda warten schon. In zehn Cafés und Kneipen spielt jedes Paar, die Teams sind eingeteilt in Pik- und Coeur-Gruppen. „Bridge ist spannend, weil jeder mit den identischen Karten spielt“, begründet Dietmar Winkler aus der Pik-Gruppe – der Oberliga des Bridge – seine Faszination. Ein Spiel dauert geschätzte sieben Minuten. 20 Minuten sind für jede Gruppe in einem Café eingeplant, macht rund drei Spiele pro Station, bleibt nicht viel Zeit für langes Geschwätz

oder ausgiebige Bestellungen. Es können auch zwei oder vier Spiele pro Runde sein, erklärt Brigitte Külls, je nachdem, „was das Movement hergibt“. Inhaltlich geht es darum, möglichst viele Stiche zu machen. Vor allem aber entpuppt sich Bridge als Partnerspiel, in dem es um Psychologie, Strategie und Teamwork geht. Gegenüber von Dietmar Winkler (68) sitzt sein Partner Niko Forchert, der auch schon 20 Jahre lang leidenschaftlich spielt und im Bridge Parallelen zum Schach entdeckt. Die beiden werfen sich wissende Blicke zu, die Konzentration steht der scheinbaren Mühelosigkeit nicht im Weg. Man kennt sich. „Sie gehören zu unseren Spitzenspielern“, bemerkt Brigitte Külls.
Nach drei schnelllebigen Partien werden die Karten in die so genannte „Bidding-Box“ sortiert, dann geht es weiter zur nächsten Spielstätte. „Oh, Helga ist da“, stellt Dietmar Winkler fest, als er den ruhigen Lippischen Hof betritt. Helga Hagenberg aus Stukenbrock hält die beiden für schwierige Gegner: „Das ist ein eingespieltes Team.“ Wie sich im Laufe des Turniers herausstellt, gibt es flotte Spieler und gemütliche, harmonische Spiele und strittige Duelle, chaotische und reizvolle Momente. „Da ist alles dabei“, sagt Professor Winkler, „Freude, Trauer, Streit, Gefühle, wie im richtigen Leben.“ Acht Stunden später in der Ressource: Dietmar Winkler und Niko Forchert haben es auf den dritten Platz geschafft , Klaus Kersting und Andreas Bollhorst gehen als Sieger nach Hause.